Wenn Theorie, Vertrauen und der eigene Körper die Basis für Entspannung stellen
„Unter mir Tiefe. Über mir klares Wasser. Ich sinke. Aus hell wird dunkel und aus dunkel hell. Es führt irgendwohin. Reines Sein. Reine Schwerelosigkeit. Immer wieder führe ich einen Druckausgleich durch. Ich drücke meine Zunge an das Gaumensegel und befördere so Luft vom Mund- und Rachenraum in mein Mittelohr. Kein leichtes Unterfangen so weit unter der Wasseroberfläche. Aber es schützt mich, mein Trommelfell und meinen Körper.“
Apnoe Tauchen, oder auch Tauchen mit nur einem Atemzug. Im Leistungssport geht es da auf bis zu 300 Meter runter. Hier nicht in Stress zu verfallen, hat höchste Priorität. Entspannung und Wohlbefinden, das ist es, was man braucht. Pierre Schulz (58), Apnoe Taucher im Breitensport, weiß das und erzählt, worauf es bei jedem Tauchgang ankommt.
„Ich tauche im Breitensport. Wir haben da andere Vorgaben und dürfen nicht so tief gehen wie im Leistungssport. Für mich reicht das aber. Die Entspannung, um die es mir dabei geht, spüre ich auch auf 24 oder 30 Meter. Ja, selbst auf null Meter, wenn man so will. Apnoe Tauchen muss nicht nur in die Tiefe gehen. Im Verein tauchen wir neben Tiefe auch Strecke und Statik. Das sind so die drei Pfeiler des Apnoe Tauchens. Gerade beim statischen Tauchen, wo du einfach nur im Wasser liegst, gibt es Menschen, die so entspannen können, dass sie sich kaum noch bewegen. Sie liegen da wie Tod. Der Weltrekord liegt hier, bei über 20 Minuten Luftanhalten.
Ich selbst betreibe jede Form des Apnoe Tauchens. Doch die Tiefe ist für mich das Spannendste. Du sinkst nach unten, lässt dich fallen. Es gibt keinen Schutz, keine Unterstützung. Es gibt nur dich, die Tiefe und die Weite des Wassers. Es gibt das Unbekannte und du stellst dich diesem Unbekannten mit absoluter Entspanntheit. Wenn ich abtauche, spüre ich mich. Ganz und gar. Mein Körper zentralisiert sich auf die wichtigsten Organe. Er arbeitet vollkommen konzentriert und ganz von allein. Das ist es, was ich in der Tiefe erlebe. Ich bin raus aus meiner Umwelt, meiner täglichen Umgebung. Ich bin entspannt und nehme meinen Körper und mich vollkommen wahr. Ich höre mein Herz, als läge mein Ohr auf meiner Brust. Es ist, als sei mein Bewusstsein nach Innen gekehrt. Man denkt nicht, man ist. Einfach fantastisch. Es ist wie eine Kunst. Eine Entspannungskunst. Ein wunderschönes Gefühl.
Um das so spüren zu können, brauche ich vor jedem Tauchgang eine gute Vorbereitung. Sprich: Entspannung und Aufwärmung. Tauchen geht nur, mit einem klaren und ruhigen Geist. Stress und Unklarheit können
tödlich sein. Mir helfen dabei Atemübungen und Yoga. Die Konzentration auf die Atmung beruhigt und bereitet mich auf die Atemtechnik vor, die ich für jeden Tauchgang brauche. Yoga macht meinen Körper geschmeidig und beweglich. So fühle ich mich rundum wohl.
Neben dem Wohlbefinden und einer guten Vorbereitung ist Vertrauen und Körperwissen enorm wichtig. Apnoe tauchen ist so aufgebaut, dass man unheimlich viel Theorie benötigt, um zu verstehen, was unter Wasser zu tun ist. Wie funktioniert mein Körper, was macht mein Geist, was die Lunge, wie schlägt das Herz und so weiter. Du lernst viel über Physik, Medizin und Technik. Es ist unheimlich viel Stoff. All das hängt aber auf irgendeine Art und Weise zusammen und bildet die Basis eines Tauchgangs.
Bei jedem Tauchgang habe volles Vertrauen in mich, in die Theorie und meinen Tauchbuddy. Er stellt meine Sicherheit dar, sollte etwas schiefgehen. Ohne Buddy kein Tauchgang. Ohne tief verankertes Wissen der Theorie, ebenfalls kein Tauchgang. Und ohne Wissen über mich und meinen Körper auch nicht. Alles befindet sich im Einklang. In Harmonie. Ein Zusammenwirken von Körper, Geist und Seele. Ich glaube, das Mutige am Apnoe Tauchen ist, der Theorie, dem vermittelten Wissen zu glauben und über seine normalen Reize hinauszugehen. Trotz Ungewissheiten ist da absolutes Vertrauen auf allen Ebenen und das sorgt für Entspanntheit und Wohlbefinden.“
Zur Person: Pierre Schulz, Jahrgang 1965, Lebt bei Augsburg, Taucht seit Aug. 2016 Apnoe, Taucht generell seit Sept. 2012, „Ich bin sehr froh, dass ich das, Apnoe Tauchen bei uns im Training kennengelernt habe und drangeblieben bin. Ich gehe 3 Mal die Woche ins Training. Das Apnoe Tauchen lässt mich jeden Moment genießen.“

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