„Ich habe einfach keinen Bock mehr, schwanger zu sein.“ – Ein Satz, den man kaum auszusprechen wagt, wenn eigentlich alles gut läuft. Und doch purzelt er über meine Lippen. Während ich im Mutterschutz ankomme, zur Ruhe finde, nimmt dieser Gedanke ab und formt Dankbarkeit. Denn während ich ankommen darf, schuftet mein Partner nonstop.
Warum ist diese wichtige Vorbereitungszeit eigentlich nur einem Elternteil gegönnt?
Ein Text über das Privileg des Mutterschutzes – und über eine Politik, die den Menschen aus den Augen verliert.
Frühmorgens wache ich auf. Vollkommen gerädert von der Nacht. Alles tut weh und ich kugel mal wieder aus dem Bett. In letzter Zeit hat es sich eingeschlichen, dass die Toilette nicht nur tagsüber, sondern auch nachts mein bester Freund geworden ist. Somit gestaltet sich mein Schlafmanagement etwas unterbrochen und eigentlich nur im Halbschlafmodus. 
Eine Zeit kann man das wunderbar mitmachen, aber nach neun Monaten Dauerzustand mit noch anderen Symptomen, quält einen manchmal der Gedanke: „Ich habe einfach kein Bock mehr, schwanger zu sein!“
Gestern war mir nach so einem Gedanken. Nicht, weil es mir schlecht geht oder ich  übertrieben viele Schwangerschaftssymptome, -Beschwerden oder ‑Einschränkungen habe. Nein, ganz im Gegenteil würde ich sogar sagen. Ich darf mich glücklich schätzen, noch so viel machen zu können, so fit zu sein, jetzt im Mutterschutz ankommen zu können und mich wirklich mal aufs Mama-werden vorzubereiten und zu freuen. 
Die ersten zwei Wochen im Mutterschutz waren für mich eine extreme Umstellung. Weg von Arbeit, weg vom Helfen-können auf der Wohnungsbaustelle, weg vom Unterstützen und aktiv Mit-dabei-sein und noch mehr weg von den Aktivitäten, die ich gerne wieder mehr ausführen würde – jetzt, wo ich theoretisch sogar die Zeit dafür hätte. 
Das macht schon ganz schön was mit einem. Man fühlt sich etwas unbrauchbar. Wie das 5. Rad am Wagen. Und so richtig weiß man auch  gar nicht, was mit sich und seiner Zeit anzufangen. 
Doch, nach diesen zwei Wochen Ankommenszeit im Mutterschutz, wird mir bewusst: Ich sollte diese Zeit genießen und dankbar dafür sein. Dankbar dafür, dass ich nicht mehr so viel tragen und schleppen kann. Dass nicht mehr alles so möglich ist, wie es noch vor neun Monaten der Fall war.  Stattdessen darf ich mich eingeladen fühlen, mich auf das zu konzentrieren, was in kleinem Maße noch möglich ist. 
Denn nicht jedem ist solch eine Vorbereitungszeit gegönnt. Dabei denke ich an die unterschiedlichsten Personengruppen und auch Lebensmodellkonstellationen und ich denke an meinen Freund. Den Papa meines/unseres Kindes. Er tut und macht. Hat kaum noch Freizeit und ist nur am Arbeiten, Renovieren oder sich mit bürokratischen Angelegenheiten herumschlagen, die einfach altbacken und überholt sind. Ihm ist eine Vorbereitungszeit aufs Papawerden nicht gegönnt. Nur dafür, alles andere vorzubereiten. Aber sich selbst nicht. 
Ich merke einfach, dass, egal wie sehr sich beide Elternteile auf das neue Leben freuen – für den werdenden Papa ist dafür keine Vorbereitungszeit gegeben. Zumindest nicht in einer Konstellation, in der Mittel wie Geld, Wohlstand und Zeit zum Herunterkommen fehlen. 
Das mag natürlich nicht immer und bei allen der Fall sein – das ist mir klar. Doch in unserem und ich glaube auch in vielen anderen Fällen, ist es leider Realität. Eine Realität, die genau so weiterwächst, sich in diese Richtung entwickelt und große Befürwortung in der Politik findet. 
Denn die Politik, so wie sie jetzt momentan die Richtung vorgibt, orientiert sich an Wirtschaft und Industrie. An noch mehr Arbeit, Überforderung und Energieraub mentaler und körperlicher Ressourcen. Am Raub von Ressourcen, die wir Lebewesen auf dieser Erde für unsere Erholung dringend benötigen. Die Politik momentan orientiert sich bedauerlicherweise nicht an den wirklichen, menschlichen Bedürfnissen. 
Ja, ich würde meinem Partner so gerne mehr Unterstützung geben können und aktiv mithelfen. Aber vielleicht ist uns allen mehr geholfen, wenn es wenigstens ein Elternteil schafft, zur Ruhe zu finden und sich und unser gemeinsames Umfeld fern von Arbeit und Baustelle, aufs Baby- und Elternsein vorzubereiten. Denn wer weiß, wie lange es diesen Schutz für uns werdende Mamas noch geben wird!

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